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Mit einem Festgottesdienst und einem Festakt feierte die Kirchengemeinde Stuttgart-Untertürkheim das 75-jährige Kirchenjubiläum

Der Stuttgarter Stadtteil Untertürkheim ist wohl durch die berühmte Automarke weithin bekannt. Er liegt eingebettet zwischen den Höhenzügen des Schurwaldes und der Wangener Höhe am Neckarufer, umsäumt von Weinbergen und der „Wiege Württembergs“, der weithin sichtbaren Grabkapelle. Hier stand einstmals die Stammburg der Grafen von Württemberg. Die heute noch zu besichtigende Grabkapelle ließ König Wilhelm I. 1820 für seine früh verstorbene Gemahlin Katharina errichten. Später wurden auch der König und seine Tochter Maria hier beigesetzt.

Schon seit dem 8. Jahrhundert wird in Untertürkheim Weinbau betrieben und ist bis heute in seinem Kern eine Weinkulturlandschaft geblieben. Die Weinlagen Altenberg, Mönchberg und Schlossberg sind weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt.

Der Fortschritt kam mit Beginn des 19. Jahrhunderts, nachdem 1845 die erste Eisenbahnstrecke des Landes zwischen Untertürkheim und Cannstatt eröffnet wurde.

Dass Untertürkheim sich zu einem der führenden Industriestandorte Baden-Württembergs entwickelte, trug wesentlich dazu bei, dass Gottlieb Daimler im Jahr 1903 nach dem Brand seiner Cannstatter Werkstatt eine Automobilfabrik am Untertürkheimer Neckarufer errichtete.

Eine mit Liebe und Eifer durchgeführte Zeugenarbeit des neuapostolischen Glaubens geht bereits auf das Jahr 1905 zurück. Bis zur Anmietung eines Raumes in Untertürkheim im Jahr 1923, der Gründung der Gemeinde, mussten die Glaubensgeschwister den langen Weg zur Versammlungsstätte nach Cannstatt zu Fuß unternehmen.

Im Januar 1931 konnte ein neuerstelltes Kirchengebäude in der Fellbacherstr. 9 durch Bezirksapostel Gutbrod in einem feierlichen Festgottesdienst eingeweiht werden.

Nachdem die Kirche im Dezember 1944 durch einen Fliegerangriff schwer beschädigt wurde, konnten in ihr erst Ende 1945 wieder Gottesdienste abgehalten werden. Eine umfangreiche Modernisierung des gesamten Kirchengebäudes erfolgte 1989/1990.

Am 19. Februar konnten die Untertürkheimer Glaubensgeschwister das 75-jährige Jubiläum ihres heute schmucken Kirchengebäudes begehen. Bischof Bernd Dittus gedachte in seiner Rückschau in großer Wertschätzung der vielen Amtsträger und aktiven Kirchenmitglieder, die in den vergangenen Jahrzehnten unter großen persönlichen Opfern das Gemeindeleben geprägt haben. Dem Dankgottesdienst lag das Wort zugrunde: Es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch die Gnade. (Hebräer 13, aus 9) Nur was fest geworden ist, ist geblieben.

Durch den Festakt am Abend führte der Bezirksälteste Manfred Fröhlich die zahlreichen Gäste und ehemaligen inzwischen verzogenen Glaubensgeschwister. Über der Freude des aufgegangenen Glaubenssamens in den 75 Jahren stellte er die Worte: „Menschen treten in unser Leben und begleiten uns eine Weile. Einige bleiben für immer, denn sie hinterlassen Spuren in unseren Herzen“.

Der Vorsteher, Gemeindeevangelist Jürgen Schlegel, informierte in einer Kurzchronik über die Anfänge der Gemeinde bis zur großen Renovierung des Kirchengebäudes 1989.

Der mit der Bauleitung der umfangreichen Modernisierung im Jahr 1989/90 beauftragte Architekt Steffen Braun schilderte in einer Präsentation den damaligen Zustand und die Gestaltung eines funktionalen, den heutigen Ansprüchen gerechten und einladenden Kirchengebäudes.

Bezirksvorsteher Klaus Eggert betonte in seinem Grußwort den Wert einer Glaubensgemeinschaft:

Sich behütet fühlen, Gemeinschaft leben und erleben, das Wort Gottes hören, gibt einem solchen Kirchbau Sinn und Lebendigkeit. In ihm finden Menschen einen geschützten Raum, in dem sie ihre Ängste und Nöte, ihre Freuden und Hoffnungen vor Gott bringen können. Es sind Menschen, die Gemeinde bauen und ohne die kirchliches Leben versiegt. Gotteshäuser ohne Gläubige wären kaum mehr als steinerne Hüllen.

Der Bezirksjugendchor gestaltete den musikalischen Rahmen.  Das moderne, zeitkritische Mini-Musical: „Der barmherzige Samariter“ war der Abschluss des Festaktes. Bei einem Imbiss ergab sich noch für die Besucher ein reger Gedankenaustausch.